Altersvorsorgedepot: Wer steht in den Startlöchern?
Neun Broker haben sich positioniert, vier nennen schon Preise. Der Stand vor dem Start.
Am 1. Januar 2027 startet das Altersvorsorgedepot. Von den elf Depot-Anbietern, die wir hier vergleichen, haben sich neun bereits dazu geäußert. Vier nennen Preise, vier sammeln Voranmeldungen oder führen eine Warteliste.
Fast alle bieten zwei Wege an: ein freies Depot, in dem du die ETFs selbst wählst, und ein gesteuertes Depot, in dem der Anbieter die Bausteine vorgibt. Das gesteuerte Standarddepot muss jeder Anbieter haben, nur dort gilt der Kostendeckel von 1 %.
Der Stand bei unseren Anbietern
| Anbieter | Varianten und Kosten | Anmeldung | Wohneigentum | Was schon bekannt ist |
|---|---|---|---|---|
| Scalable Capital |
| Voranmeldung | ja | Nennt als einer der ersten konkrete Preise. Die Voranmeldung läuft über ein Scalable-Konto; verlost wird bis 31.12.2026 ein Bonus in Höhe der maximalen Grundzulage. Quelle |
| Trade Republic |
| unklar | nicht zugesagt | Beide Varianten laut Anbieter „komplett kostenfrei“. Ordergebühren für Einzelkäufe und eine Preisliste fehlen noch. Quelle |
| Traders Place |
| Newsletter | geplant | Nennt Beitragsgrenzen (120 € bis 1.800 € gefördert) und volle Kinderzulage ab 25 € Sparrate. Preise stehen unter Vorbehalt bis zum Start. Quelle |
| Flatex |
| Newsletter | nicht zugesagt | Drei Varianten, Preise bisher nur für das Standarddepot Core. Im Flex-Depot lassen sich bis zu 25 Positionen kombinieren. Quelle |
| ING |
| Warteliste | nicht zugesagt | Starteliste bis 30.11.2026 mit 50 € Startbonus für Neukunden, die bis 15.02.2027 eröffnen. Preise noch offen. Quelle |
| comdirect |
| Voranmeldung | nicht zugesagt | Registrierung mit 50 € Early-Bird-Prämie. Kosten will comdirect „rechtzeitig vor Produktstart“ veröffentlichen. Quelle |
| Consorsbank |
| nein | nicht zugesagt | Zwei Varianten angekündigt, eine ESG-Variante des Standarddepots ist angedacht. Konkrete Produkte gibt es laut eigener FAQ noch nicht. Quelle |
| DKB | keine Varianten genannt | Newsletter | nicht zugesagt | Beschreibt bisher nur den gesetzlichen Rahmen (Kostendeckel 1 % beim Standarddepot, 6.840 € Höchsteinzahlung). Riester-Übertrag ab Januar 2027 im DKB-Banking. Quelle |
| Finanzen.net Zero | keine Varianten genannt | Warteliste | nicht zugesagt | Wirbt mit „gebührenfrei bei ZERO“, nennt aber weder Varianten noch Zahlen. Teile der Seite geben noch den Stand vor dem Bundestagsbeschluss wieder. Quelle |
| 1822direkt | keine Varianten genannt | nein | nicht zugesagt | Bislang nur ein erklärender Ratgeber-Artikel, kein eigenes Produkt angekündigt. |
| S Broker | nichts angekündigt | nein | nicht zugesagt | Keine eigene Ankündigung. Die Sparkassen-Gruppe informiert zentral über die Reform, S Broker selbst hat nichts veröffentlicht. |
Geprüft wurden ausschließlich die Websites der Anbieter, keine Vergleichsportale. „nicht veröffentlicht" heißt: Der Anbieter kündigt die Variante an, nennt aber noch keinen Preis. „Newsletter" heißt: Du wirst informiert, vorgemerkt bist du nicht. „Wohneigentum: nicht zugesagt" heißt: Die Entnahme für eine selbst bewohnte Immobilie steht nicht als Eigenschaft des Produkts auf der Seite. Das Gesetz verlangt sie nicht von jedem Anbieter. Wer eine eigene Wohnung plant, fragt vor dem Abschluss nach.
Worauf es beim Vergleich ankommen wird: die Kosten
Die Förderung klingt gewaltig: 30 % auf den Höchstbeitrag, 50 % auf die ersten 360 €. Wer daraufhin zum erstbesten Anbieter geht, macht denselben Fehler wie eine ganze Generation bei Riester.
Das Gesetz deckelt die Effektivkosten beim Standarddepot auf 1 % pro Jahr. Klingt harmlos. Rechne es über eine Ansparzeit von 40 Jahren durch:
| Szenario | Nach 40 Jahren |
|---|---|
| 1.800 € Eigenbeitrag + 540 € Zulage, ohne Gebühren (6 % p. a.) | rund 362.000 € |
| Dasselbe, aber 1 % Jahresgebühr (effektiv 5 % p. a.) | rund 283.000 € |
| Nur 1.800 € Eigenbeitrag ohne jede Förderung, ohne Gebühren | rund 279.000 € |
Lies die letzten beiden Zeilen noch einmal. Ein Anbieter mit 1 % Jahresgebühr liefert trotz voller staatlicher Förderung ungefähr dasselbe wie ein kostenloses Depot ganz ohne Förderung. Die Gebühr frisst über 40 Jahre rund 79.000 € — fast das Vierfache der Zulagen, die in dieser Zeit überhaupt fließen (40 × 540 € = 21.600 €).
Modellrechnung mit 6 % Rendite pro Jahr vor Kosten, jährliche Einzahlung jeweils zum Jahresende, ohne Steuern. Sie zeigt die Größenordnung, keine Prognose.
Deshalb die einzige Regel, die heute schon feststeht: Vergleiche im Januar 2027 zuerst die laufenden Kosten, dann alles andere. Die ersten Preise zeigen, wohin es geht: Scalable Capital, Trade Republic, Traders Place und Flatex verlangen für das Standarddepot keine Depotgebühr, Flatex nennt höchstens 0,07 % Fondskosten. Zum Deckel von 1 % ist da viel Luft. Wer im Januar ein Angebot nahe am Deckel bekommt, zahlt drauf.
Was du jetzt tun kannst
- Warteliste ja, Entscheidung nein. Eintragen kostet nichts. Wer aber glaubt, damit bereits gewählt zu haben, verschenkt den Vergleich.
- Auf die Depot-Voraussetzung achten. Bei Scalable Capital setzt die Voranmeldung voraus, dass du dort zuerst ein Depot oder Tagesgeldkonto eröffnest (zum Anbieter — Affiliate-Link, für dich ohne Mehrkosten). Das ist eine echte Kontoeröffnung, keine bloße Merkliste.
- Fürs Kind ändert sich jetzt nichts. Die Frühstart-Rente läuft ab 2027 automatisch. Wer bis zum 18. Geburtstag Vermögen aufbauen will, nutzt weiterhin ein Junior-Depot.
„Bei Riester haben die Gebühren die Förderung aufgefressen, und alle haben sich gewundert. Diesmal steht die Rechnung vorher fest — man muss sie nur machen." – Oliver Frankfurth
Häufige Fragen
Kann ich heute schon ein Altersvorsorgedepot eröffnen?
Nein. Vor dem 1. Januar 2027 gibt es keine Verträge. Möglich sind nur Wartelisten und Voranmeldungen — die sind unverbindlich und verpflichten dich zu nichts.
Lohnt es sich, auf eine Warteliste zu gehen?
Es kostet nichts und verpflichtet zu nichts. Nur: Eine Warteliste ist keine Konditionszusage. Wer sich jetzt einträgt, sollte im Januar 2027 trotzdem vergleichen, statt automatisch beim ersten Anbieter zu unterschreiben.
Welche Anbieter nennen schon Gebühren?
Scalable Capital, Trade Republic, Traders Place und Flatex haben Preise veröffentlicht, alle mit 0 € Depotgebühr für das Standarddepot. Die übrigen kündigen ihre Kosten für die Zeit vor dem Start an. Für das Standarddepot gilt ein gesetzlicher Deckel von 1 % Effektivkosten pro Jahr, für freie Depots gibt es keinen.
Was ist der Unterschied zum Junior-Depot?
Das Altersvorsorgedepot ist bis zum 65. Lebensjahr gesperrt und für Erwachsene gedacht. Ein Junior-Depot gehört dem Kind und steht mit 18 zur Verfügung. Für Kinder gibt es ab 2027 die Frühstart-Rente, bei der der Staat 10 € im Monat einzahlt.
Fürs Kind kannst du heute schon starten
Vier Fragen, und du weißt, welches Junior-Depot zu deiner Situation passt.
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